Mittwoch, 12. August
Geschrieben von philipp_mausshardt am 12. August 2009 | Abgelegt unter Unterwegs
Was für ein Tag: Als wir gestern erfuhren, dass heute um 9 Uhr in Dresden der Prozess gegen die Nazi-Schläger unseres Fotografen-Kollegen Stanislav Krupar stattfindet, beschlossen wir den kleinen Umweg von Freiberg in Richtung Polen in Kauf zu nehmen und saßen pünktlich zu Prozessbeginn in Saal 1 des Amtsgerichts. Was für dumpfe Gesichter uns da anstarrten! Als Gruppe hatten die Angeklagten vor ein paar Monaten auf Stanislav eingeschlagen und eingetreten. Jetzt mimten sie die Reumütigen („tut uns ja so leid“). Wir glaubten ihnen kein Wort und zogen in einer Verhandlungspause weiter, standen kurz darauf an der B 6 in Richtung Bautzen. „Biene“ hieß die 21jährige Studentin aus Meißen, die die Ehre der Sachsen rettete. Nachdem wir die Sachsen schon als den unfreundlichsten deutschen Volksstamm brandmarken wollten, nahm sie uns mit bis zu ihrem Studienort nach Zittau in der Oberlausitz. „Nur die Erzgebirgler sind unfreundlich und verschlossen, die Sachsen nicht“, versicherte sie uns und ließ uns weiterziehen. Dann hielt ein Mann mit Krawatte: Er leitet ein „Internationales Begegnungszentrum“ in einem Zisterzienserkloster (Sankt Marienthal) und zeigte uns seinen wunderschönen Arbeitsplatz. Jetzt sind wir in Görlitz angekommen, der letzten Station auf deutscher Seite. Morgen geht es nicht mehr nach Auschwitz sondern nach Oswiecim – der polnischen Bezeichnung des Vernichtungslagers.
5 Kommentare »












am 13. August 2009 um 10:32 1.joakina schrieb …
Danke für den Tipp mit dem Kloster!
am 13. August 2009 um 15:07 2.Uli Reinhardt schrieb …
Ich freue mich über Biene und gratuliere ihr.Mußtet Ihr lange warten. Gestern hatte ich noch eine Lehrstunde in Zivilcourage. Genau in selbigem Prozess in Dresden gegen die Neonazis, die Stanislaw Krupar zusammengeschlagen hatten geht es ja auch um einen Kollegen, dem sie zu viert richtiggehend aufgelauert hatten, um ihn dann blutig zu schlagen. Auf offener Straße, im Zentrum, an einer Straßenbahnhaltestelle. Es waren viele Leute ringsherum, und niemand ging dazwischen. Bis auf zwei. Einer davon Italiener, klein, nicht kräftig, aber offensichtlich mit Mut. Er hatte in einer Apotheke gearbeitet, als er von Kunden auf das Geschehen aufmerksam gemacht wurde. Er verließ den Laden, überquerte die Straße und erreichte, daß die vier “Helden” das Weite suchte. Das gleiche System: Sie getrauen sich nur in der Gruppe bei sicherer Überlegenheit. Bei Stanislaw waren es gut zehn. Ein Entschlossener allein scheucht sie weg. Diese Feiglinge sind eine Schande für Deutschland.
am 13. August 2009 um 17:41 3.Johan schrieb …
Da ist die gute Biene ja eine löbliche Ausnahme.
Aber eines ist doch klar:
Die Sachsen haben Euch nicht mitgenommen, weil sie keine Sachsen-Anhalter sind bzw. sein wollen.
Ihr seid einfach durch s falsche Bundesland…
am 13. August 2009 um 20:03 4.henri schrieb …
ich würde den (scheis) neuonazis auch nichts glauben.
aber beilt euch mal mit den komentaren von heute.
Euer Henri
am 15. August 2009 um 00:28 5.andré schrieb …
Werden eigentlich die gastgebenden Nonnen mit ein paar Freiexemplaren des “Playboy” belohnt?